einhundertundfünfter Tag

„Ich mal mir alle unsre Möglichkeiten aus:
Nordpol, Südpol, Großstadt oder Strand –
am Strand der ganze Sand –
vielleicht lieber doch aufs Land –
bin jedenfalls schon so gespannt!“

2raumwohnung ~ Nimm mich mit

Zugegebenermaßen – der letzte Eintrag ist eine ganze Weile her. Das liegt unter anderem daran, dass nicht viel passiert ist in Berlin, was den Weg zum Studium betrifft.

Ich bin weiter 2 mal wöchentlich geschwommen, habe beim Hochschulsport mit Turnen angefangen und kein Lauftraining gemacht. Mit Beginn der Outdoorsaison wurde aus zwei Mal Schwimmen ein Mal pro Woche, seit einem Monat habe ich es nicht ein einziges Mal geschafft. Seit einer guten Woche ärgere ich mich jetzt auch noch mit einer fiesen Grippe rum, weshalb ich unter anderem weder trainieren noch die Mixed-DM-Quali in Magdeburg spielen konnte. Wenn ich nicht gerade einen Blogeintrag zum Thema Wutkontrolle gelesen hätte, könnte ich miCH JA SCHON WIEDER AUF – was solls, es bringt ja doch nichts.

Jetzt setze ich erstmal alles dran so schnell wie möglich gesund zu werden, um kommende Woche die Sporteingangsprüfung zu bestehen.

In Vorbereitung dafür habe ich den Freitag genutzt um an der Sporthochschule Köln ein bisschen zu trainieren. 2000 m und ein 100 m Sprint waren absolut kein Problem. Der Weitsprung wollte mir nicht so ganz gelingen. Ich habe oft übertreten oder abgebrochen, weil ich mit dem falschen Bein auf dem Brett gelandet bin. Das muss besser klappen. Vielleicht kann ich in Stuttgart noch mal ein bisschen trainieren.

Apropos – mit Schrecken musste ich gestern Abend feststellen, dass mit Schleuderball keineswegs unser Weitwurf in der Schule gemeint ist und die Option Kugelstoßen in meinem Fall (der da ist, dass ich beides noch nie in meinem Leben gemacht habe) vielleicht sogar die einfachere ist. Ich hoffe gerade, dass ich die Woche irgendwie an der Uni an eine Kugel kommen kann um das mal auszuprobieren.

Insgesamt bin ich mit meiner Leistung aber sehr zufrieden, immerhin habe ich gut 1,5 Wochen absolut keine Belastung gehabt und mein Körper hat – mit zwar schon schwindener aber doch spürbarer Grippe – super mitgespielt.

Auch bei den Disc Days in Köln konnte ich einen weiteren Lernerfolg feststellen. Nach einigen nicht ganz erfolgreichen Layout-Defense Versuchen am Samstag, gelangen mir heute – am Sonntag – gleich drei in zwei Spielen. Da bin ich echt stolz drauf.

Das war ein wirklich schönes Wochenende und jetzt starte ich hochmotiviert in die neue Woche, hoffe, ich kann noch ein paar Sachen üben und bin sehr gespannt, was am Donnerstag und Freitag so auf mich zukommt.

Gute Nacht und eine schöne Woche euch!

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zweiundzwanzigster Tag

und die Tage dazwischen….

»And you understand
This never ending dance
This fight, a fading sense
Now it all makes sense
It brought you here
It only brought you

Only brought you home

Take off your shoes now
You’ve come a long way
You’ve walked all these miles
And now you’re in the right place«

Boy ~ July

Die erste Woche zurück in Berlin ist rum. Stuttgart scheint schon wieder ganz weit weg. Es blieb kaum Zeit alles zu verarbeiten, so schnell hatte mich der Alltag zurück mit all seinen Herausforderungen, Entscheidungen, großen und kleinen Baustellen. Ja, im Rückblick erscheinen mir die Tage in Stuttgart als kleine Auszeit: Es war alles so einfach – Aufstehen, Praktikum, Essen, Werfen/Training, Feierabend, Schlafen – fast wie Winterurlaub!
Aus der letzten Woche gibt es nicht so viel Berichtenswertes. Habe neben Schwimmen und Ultimate alle anderen Trainingseinheiten aufgrund von einer sich mal wieder verstärkenden Erkältung geschwänzt. Jetzt geht es mir aber wieder besser und ich nehme mir vor diese Woche mehr zu machen.
Am vergangenen Wochenende waren wir mit den Hunden beim KMSSMK in Chemnitz, ausgerichtet von den Stoneheads. Mit einem stimmigen Team und ziemlich entspannter Einstellung starteten wir um 14:00 Uhr gegen Griffin’s Lehre. Ich weiß kann mich leider nicht mehr genau an das Spiel erinnern – ein Klassiker: nach einem Spieltag verschmelzen die Spiele zu einem und es ist ziemlich schwierig einzelne Situationen den richtigen wieder zuzuordnen. Wie auch immer, wir kamen gut ins Spiel und gewannen sowohl dieses als auch die folgenden 4 Poolspiele gegen Jena II, die Softheads, die Hallörchen und ein viertes Team, was mir gerade peinlicherweise nicht mehr einfällt. Ich werde das ergänzen, sobald jemand meinem löchrigen Gedächtnis auf die Sprünge hilft. Am Sonntagmorgen sollte das 5te Spiel gegen unseren Angstgegner Discurs stattfinden. Schon morgens in der Schlafhalle versuchten wir uns mehr oder eher weniger ernsthaft gegenseitig einzuschüchtern. Mit ein paar dummen Sprüchen in den Tag starten – was gibt es Schöneres? Irgendwie waren wir wohl an dem Morgen tatsächlich fitter und konnten souverän die Vorrunde als Poolerster abschließen. Es folgte ein Zwischenpool mit Spielen gegen Jena I und Dresden Discount. Beides auch ziemlich starke Teams. Gegen Dresden Discount haben wir ziemlich gezittert und glücklich mit einem Punkt gewonnen. Das Spiel gegen Jena I gewannen wir nur, weil viele Pässe in die Endzone von den Jenaern nicht gefangen wurden, aufgrund ihrer Größe waren die Männer wirklich schwierig zu verteidigen. Aber wer wird sich beschweren? Es folgte eine Art Überkreuzspielhalbfinale gegen die Stoneheads. In dem Spiel hab ich mir den Boden mal ein bisschen näher angeschaut, die Scheibe leider aber doch noch um ein paar Zentimeter verpasst. Dennoch konnte ich Zeuge davon werden, wie es aus einem Stonehead herausplatzte: “Boah, was habt ihr denn für Frauen?!” Auch dieses Spiel konnten wir für uns gewinnen. In der Nebenhalle gewann Jena I gegen Discurs und so mussten wir im Finale nochmal gegen die Großen ran. Leider waren wir wohl von den Spielen vorher ermüdet und auch etwas nervös – ich weiß nicht wie viele von uns jemals schon in einem Finale gestanden haben, ich jedenfalls noch nie. Im Rematch gegen Jena I mussten wir uns leider geschlagen geben. Naja. Wir haben die meisten Spiele gewonnen an dem Wochenende. Auch eine Art Sieg 🙂
Es war wieder ein schönes Wochenende mit lauter netten Menschen und viel Spaß.
Jetzt ist aber erstmal wieder Berlin dran.
Heute hab ich mich trotz schwer zu findender Motivation zum Schwimmen durchgerungen und auch bei kleineren Schwierigkeiten nicht aufgegeben. Es ist ein gutes Gefühl nach dem Training nach Hause zu kommen und zufrieden feststellen zu können, dass man seinen inneren Schweinehund wieder überwunden hat.

Also: Schweinehunde aufgepasst! 🙂
Alles Gute euch und bis bald!

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fünfzehnter Tag

»It’s like in the movies when the rain comes down
And you take off your clothes and you scream at the clouds
Can you remember the moment of birth
When you slipped down onto the earth.
You’re a man, you’re a woman, you’re not some machine,
Why do you always stare at the screen?
Why do you always bow your head down?
I know you used to be proud.
When you were freeborn, you’re freeborn

Don’t let them kill the wild animals inside of you.«

The Cat Empire ~ Wild Animals

Guten Morgen, Berlin. Kaum zurück, schon wieder voll eingespannt.
Die Busfahrt von Stuttgart nach Berlin war mit 8 Stunden wirklich lang. Gerade auch nach der kurzen Nacht. Mein Sitznachbar tat mir schon ziemlich Leid, immerhin bin ich quasi von der Party in den Bus. Er hat es ausge- und wir uns sogar sehr nett unterhalten. Desweiteren war die Busfahrerin absolut witzig. Staubtrocken und sich ihrer lustigen Wirkung auf die Fahrgäste nicht bewusst, erzählte sie in betonungsfreier Märchentanten Manier, dass die Herren bitte wie “Schneewittchen austreten” sollen, dass die nächste Dame es ihnen danken würde und sie (die Busfahrerin) im Übrigen sehen würde, wenn sie (die Männer) es nicht täten – sie (die Männer) würden nämlich nicht annähernd so gut zielen können, wie sie (die Busfahrerin) fahren könnte. Außerdem erklärte sie uns ausführlich die Funktionen unserer Sitze “zum Relaxen”, die man beispielsweise durch Drücken eines Hebels und mit einem “flotten Hüftschwung” einige Zentimeter von einander entfernen könnte. Bei Benutzung der Lehnenkippfunktion sei allerdings immer Rücksprache mit dem jeweiligen Hintermann zu halten. Ihre Anfangsansprache zog sich etwa über die ersten 15 Minuten dahin und ich freute ich nach ihrer Ankündigung, dass sie sich  zum Umstieg in Nürnberg, zur Pause und zur Ankunft in Berlin jeweils noch ein Mal melden würde. Irgendwann kam ich auch auf die Idee die Ansage aufzunehmen und hätte sie gern mit euch geteilt, nachdem bei dem Versuch den ganzen Spaß hochzuladen gestern mein erster Eintrag für diesen Tag jedoch gelöscht wurde, hab ich zuerst die Lust verloren und, als ich sie dann doch noch wiedergefunden habe, festgestellt, dass ich ein Update bräuchte um Audiodateien hochladen zu können. Pfff. Ich fordere lieber eure Fantasie: stellts euch halt vor. Wird vielleicht nicht ganz so gut wie das Original, das kann ich zur Not aber auch mitbringen und vorführen, wenn wir uns mal über den Weg laufen.

Montag dann also gleich früh zur Arbeit – 14:30. Auf dem Weg stelle ich fest, dass ich mein Studi-Ticket vergessen habe, ärgere mich und hoffe, dass ich keiner Kontrolle in die Arme laufe. Eine Station vor meiner Zielhaltestelle seh ich dann drei Gestalten auf dem Bahnsteig herumlungern. Betont lässig laufe ich in der U-Bahn der (gottseidank) neueren Generation (alle Waggons sind miteinander verbunden) einen, zwei Wagen weiter und hoffe, dass ihnen das nicht aufgefallen ist. Die zwei Männer und eine Frau steigen ein und fangen prompt an zu kontrollieren. Ha! Ich wusste es! Mein Puls geht hoch. Ich hoffe, sie mögen einfach nicht so schnell sein beim Kontrollieren. Flehe innerlich die U-Bahn an schneller zu fahren. Und schaffe es einfach mal. Unverschämtes Glück, was ich da hab. Na gut, ein Mal hab ich es jetzt drauf angelegt. Nach Hause laufe ich aber. Die Idee mir ein Ticket zu kaufen verwerfe ich aus mangelnder Motivation “der BVG noch mehr Geld in den Rachen zu werfen”.
Nach der Arbeit mache ich also einen ausgedehnten 1,5-stündigen Spaziergang nach Hause und genieße mir dafür auch in Berlin mal die Zeit zu nehmen.
Beim anschließenden Schwimmtraining merke ich leider relativ bald, dass ich zu wenig gegessen habe und muss frühzeitig nach 45 Minuten abbrechen, weil ich schon nach 5 Sekunden Pause zwischen den einzelnen Einheiten anfange zu frieren. Na gut, zwei Wochen Trainingspause tragen sicherlich auch das ihre dazu bei. Dranbleiben ist die Devise.
Zuhause überdenke ich mein Zeitmanagement, die Trainingseinheiten und deren Sinnhaftigkeit und stelle fest, dass ich dringend Redundanzen und Überbelastungen zurückschrauben muss.
Plan für die Woche: Plan machen!

Also, auf! – auch ihr da auf der anderen Seite des Bildschirms!
Bis die Tage!

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dreizehnter+vierzehnter Tag

»I can almost hear you thinking
How could these days go by so fast

We let the tapes mix up the years
And press repeat and press repeat

The trunk is filled with records
And books and tears and clothes
I’m smiling on the surface
I’m scared as hell below

And when we arrive
The hardest of goodbyes
You will dry my eyes
Somehow you’re always by my side
The one who holds my kite
And watches over all my flights

Good morning freedom
Good night lullabies
Drive darling, drive darling,
Drive darling, drive darling, drive«

Boy ~ Drive Darling

Heute mal ein etwas längerer Liedtext am Anfang. Ich habe in dieser sehr kurzen Zeit so viel gelernt. Vielen Dank Stuttgart, dass du mir diese Chance gegeben hast. Vielen Dank liebe Menschen, die ich kennenlernen und mit denen ich Zeit verbringen durfte! Der Abschied fällt mir schwerer als gedacht und ich würde mich freuen eines nicht ganz so fernen Tages wiederzukommen.

Jetzt heißt es aber erstmal:

»und wer zieht heut wie einst die Menschen wieder an
wie heißt die Stadt auf die man nicht verzichten kann?
Treibt mich das Schicksal auch manchmal hin und her
wie heißt der Ort wo ich stets am liebsten wär
auch jedem Fremden der hier war
dem ist die Antwort sonnenklar:«

Hildegard Knef ~ Das ist Berlin

Und auch das ist in Ordnung.
Berlin, ich freu mich auf dich!

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zwölfter Tag

»I’m on the pursuit of happiness and
I know everything that shines ain’t always gonna be gold
Hey, I’ll be fine, once I get it,
I’ll be good.«

Lissie ~ Pursuit of Happiness

Was, schon Freitag? Ein letztes Mal klingelt also der Wecker in Stuttgart. Vorerst.
Ein bisschen wehmütig mache ich mich auf den Weg in die Schule.
In der ersten Stunde kann ich mir anschauen, wie ein Referendar das gleiche Thema wie ich gestern in einer Parallelklasse einführt. Ich finde es spannend zu beobachten, wie er sich vor der Klasse verhält, die Reaktionen der Schüler zu beobachten. Zu sehen, was er methodisch in seinem Studium gelernt hat und deswegen anders macht als ich. Welche Rahmenbedingungen er beachtet, über die ich mir gar keine Gedanken gemacht habe. Sich vorzustellen zum Beispiel. 😉
Ich bin der betreffenden Lehrerin sehr dankbar, dass sie mich dazu ermuntert hat, das mit dem Unterrichten einmal auszuprobieren. Natürlich war ich nervös vor der Klasse, aber ich habe auch gemerkt, dass ich das aushalten konnte und dass es mir sogar Spaß gemacht hat.
Anschließend sitze ich in einer extrem ferienreifen 8ten Klasse. Auch das gehört dazu und manchmal kann man es nur aussitzen.
In der 5. und 6. Stunde dann noch eine letzte Doppelstunde Sport, ich darf das Aufwärmen übernehmen, wir Turnen am Reck. Hilfestellung und Tipps funktionieren, die Schüler kommen mit Fragen. Es läuft.
Und dann ist es auch schon vorbei. 2 Wochen Praktikum sind um. Ich hab viele tolle Erfahrungen gesammelt und meine erste eigene Unterrichtsstunde gehalten, yeah!
Zum Abschied bekomme ich wertvolle Tipps, wie z.B. in den Semesterferien ab und zu freiwillige Praktika in der Schule zu machen, immer wieder zu unterrichten. Dann fällt der Einstieg im Ref nicht mehr so schwer. Viele nette Worte und den Hinweis an der Schule jederzeit willkommen zu sein bekomme ich auch noch mit auf den Weg. Und dann fahre ich schon das letzte Mal von der Schule nach Hause.
Abends gehe ich zum Hallentraining und mit einigen anderen Spielern anschließend noch Kochen und Werwolf spielen.
Dann will ich sehen, was Stuttgarts Nachtleben so kann. Bass kann es. Und tanzen. Und geraucht wird auch ohne Ende. Weshalb ich dann doch relativ früh nach Hause will. Das macht echt keinen Spaß. Alles andere hätte gestimmt. Da lobe ich mir unsere Frisbeeparties, da darf man meistens nicht rauchen und muss raus. Gut so 😛
Fazit:
Es war eine sehr schöne Zeit, die ich hier in Stuttgart hatte. Sowohl in der Schule als auch in der Freizeit, in der ich durchs Ultimate tolle Leute kennenlernen durfte und auch in der “Fremde” auf den Sport nicht verzichten musste. Die Stadt hat mir echt gut gefallen – manchmal musste ich wegen der Sprache ein bisschen schmunzeln, aber das ist ja nichts Schlechtes. Der Berufswunsch Lehrer ist für mich in der Zeit hier greif- und vorstellbarer geworden. Also ist der Plan jetzt klar:
Sporteignungstests in diesem Jahr und dann Bewerbungen zum Wintersemester. Hoffentlich klappt das. Und bis dahin und dann darüber hinaus so oft wie möglich in Kontakt mit Schule und Lehren bleiben.

Danke, dass ihr diesen Blog mitverfolgt hat, es hat gut getan zu sehen, dass in der Heimat Anteil genommen wird und ich nicht ganz allein bin.
Ich werde weiterhin schreiben – mehr oder weniger im Zusammenhang mit dem Ziel Lehrer – ziemlich sicher aber nicht mehr so oft.
Also, alles Gute euch und wir sehen uns in Berlin!

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elfter Tag

»I’m gonna let my freak flag fly
I’ve been a fool a lifetime
but today I’ll be the king.
I’m gonna let my freak flag fly
waving high up in the air
for everyone to see.«

Caesar’s Palace ~ Freak Flag

Uuuh, Donnerstag. Ich wache vor dem Wecker auf. Bin hibbelig. Mir ist schlecht. Pah! Warum das denn. Hey, das sind Kinder. Und ich darf ihnen was beibringen. Die sind doch eher dankbar als böse. Haha. Also auf geht’s.

Beim Uberqueren der Straße schau ich schön nach links, höre Dank der Musik nicht viel, schaue auf der Hälfte der Straße nach rechts und sehe mich spontan mit einem Bus konfrontiert. Hoppla. Ist er auch so erschrocken? Ne, der kennt das schon, er wartet geduldig. Ich steh ja auf einem Zebrastreifen. Trotzdem. Glück gehabt. Mist. So schlimm ist das mit der Stunde ja auch nicht, dass ich mich gleich vom Bus überrollen lassen muss um sie nicht halten zu müssen.

Ich steh vor der Klasse: “Guten Morgen!” Klasse: “Guten Morgen Frau …” Ich grinse, sage meinen Namen “Frau D…!” Okay, vielleicht leg ich mir noch einen einfacheren Nachnamen zu bis ich Lehrerin werde. Merke kurz, dass alles weg ist, was ich mir überlegt habe, Bilder von vergangenen Vorträgen schießen mir durch den Kopf. Erinnerungen daran, dass ich ab einem bestimmten Punkt immer anfange mir selbst zuzuhören und ganz gespannt darauf zu warten, was ich wohl als nächstes von mir gebe. Schluss. Tageslichtprojektor an.
“Ich darf euch heute ein neues Thema beibringen. Gleichungen. Dazu schauen wir uns einmal folgendes Beispiel an…”
Die Schüler sind still, aufmerksam, arbeiten mit. Es weiß immer jemand die Antwort auf meine Fragen. Nach dem ersten Beispiel haben sie Zeit es abzuschreiben und ich mich in Ruhe in meiner Rolle als Lehrende anzuschauen. Durchatmen. Ja, passt. Viel entspannter gehe ich das nächste Beispiel an. Es läuft. Bei den Übungsaufgaben gibt es vereinzelt Fragen, aber ich kann helfen und die Lehrerin lässt mich machen. Vor der Stunde wurde mir gesagt, dass ich die 5-Minuten-Pause zur Not auch noch ein bisschen verschieben kann, wenn wir nicht fertig geworden sind. Tja, da steh ich 10 Minuten vor Stundenende. Die Schüler sind einfach zu gut gewesen für meine Planung. Wir vergleichen also die gerechneten Aufgaben, klären Schwierigkeiten. Immernoch 5 Minuten. Ich schaue flehend zur Lehrerin und sie gibt mir das Okay die Pause vorzuziehen. Alles klar, ich hab nicht dieses “Ref-Problem” die Stunde zu voll zu packen. Für meine nächste wird es “Falls-noch-Zeit-ist-Aufgaben” – FnZiA klingt gut – geben.
Am Ende der zweiten Stunde fragt mich die Lehrerin, ob ich Feedback von der Klasse haben möchte. Mit dem Hinweis “man muss sich das schon trauen, Kinder sind ehrlich.” Ich denke mir, dass ich sie nach Freitag eh nicht wieder sehe, sollte ich in 5 Jahren wieder an dieser Schule enden, haben sie hoffentlich ihr Abitur. Also, was solls. Es kann mir ja auch nur helfen.
“Ich fand gut, dass Sie frei gesprochen haben.” “Ich fand gut, dass sie geholfen und gut erklärt haben, wenn jemand eine Frage hatte.” “Ich fand das Beispiel, was Sie genommen haben, sehr gut und verständlich.” “Ich fand gut, dass Sie eine Aufgabe genommen haben, die wir zusammen gerechnet haben, aber auch Aufgaben, die wir allein rechnen durften.” “Sie waren gleich da, wenn jemand Hilfe brauchte, das fand ich gut.” “Ich fand, dass das mit dem Tageslichtprojektor ein bisschen schwierig zu lesen war, weil das Bild so klein war.” “Ich fand gut, dass man Ihre Schrift gut lesen konnte, es gibt so Lehrer..” kichert.
Dass die Klasse Feedbackgeben geübt hat ist nicht zu überhören. Sie wissen genau, was sie wie formulieren sollen, Ich-Perspektive und überhaupt.
Danke! Und habt ihr noch etwas, was ich verbessern kann? Keiner meldet sich. Okay, warum genau hab ich mir Stress gemacht? Ach klar, damit es so gut werden kann.
Ich hab selber ein paar Punkte gemerkt, an denen es gehakt hat, im Feedback der Lehrerin besprechen wir das später auch, aber im Großen und Ganzen habe ich mich eigentlich ganz wohl gefühlt. Das galt es herauszufinden. Ja okay, ehrlich gesagt hab ich ziemlich geschwitzt (hatte noch eine “Strickjacke” drüber, hat also keiner gesehen) aber das legt sich mit der Berufserfahrung sicherlich. Bis dahin wasch ich dann halt ein bisschen öfter.
Glücklich schwebe ich in den anschließenden Sportunterricht, wo ich schon das zweite Mal bei einer Prüfung dabei bin und mit dem Lehrer beraten darf. Ist gar nicht so einfach objektive Bewertungskriterien und persönlichen Einsatz unter einen Hut zu bekommen. Vor allem wenn man sich überlegt, was eine schlechte Note mit der Motivation eines Schülers macht, der z.B. nicht gut und nicht motiviert war. Demotiviert das nicht noch mehr? Aber eine bessere Note zu geben, als bei der Leistung angemessen, ist den anderen Schülern gegenüber unfair. Bin froh, dass ich letztendlich nicht über die Note entscheide.
Hier übrigens noch das Foto über Stuttgarts Dächern als Nachtrag:

über Stuttgarts Dächern

So, jetzt gibt’s Apfelstrudel, ich muss los!
Tschühüüüss!

Achso, achso, weil ich’s immer wieder vergesse: Viele Grüße auch an meine Leser aus Venezuela und Rumänien (Häääää?!?! 😀 )

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zehnter Tag

»It’s early in the morning
I’m laughing at the sun.
My mirror disappoints me
Am I the only one?«

Awolnation ~ All I Need

Boah, ernsthaft? 6:00? Ich lache die Sonne aus, bin nämlich vor ihr wach. Was ich im Spiegel sehe, deckt sich mit meinem Gefühl dringend wieder ins Bett zu wollen. Was solls, Jammern hat noch nie geholfen. Anziehen und raus ins Dunkel. Glücklicherweise kenn ich den Weg mittlerweile im Schlaf, also trotte ich mit halbgeschlossenen Augen zur Bahn. Dank der neuen Kopfhörer auch mal wieder mit Musik. In der Bahn werde ich dann das erste Mal endlich kontrolliert, hat sich die Wochenkarte dann doch gelohnt! Damit hab ich ja schon fast nicht mehr gerechnet.

In der Schule läuft schon alles halbautomatisch ab, die Lehrer nicken mir zu, ich hab meinen Platz, weiß, wo ich als nächstes hingehen will. Läuft. Bin jetzt nur kurz über Mittag nach Haus gegangen und wollte mich eigentlich hinlegen, stattdessen hab
ich lieber Musik gehört und am Blog gesessen, ein Fluch und ein Segen 😉

So, jetzt gehts auf zur Konferenz. Uuuuh! Später dann mehr.

Später: Eine Lehrerkonferenz ist eine Sache für sich. Wahrscheinlich kann das jeder bestätigen, der einer solchen schon mal beigewohnt hat. Aber ganz so eigen ist das vielleicht nicht. Im Grunde, kann sich vielleicht jeder, der schon einmal mit mehreren Menschen über längeren Zeitraum an einer Sache herumorganisiert hat – Kinder- und Jugendfreizeiten, Musikfestivals, ganz allgemein Vereinssitzungen oder andere Versammlungen – eine Vorstellung machen. Ich bekomme den Eindruck: Menschen sind so. Sie sind natürlich alle individuell und besonders und ganz eigen, aber am Ende läuft es in Versammlungen immer gleich. Man hat immer wieder extrem ähnliche Rollen: Engagierte, Genervte, Menschen, die alles missverstehen, was man nur missverstehen kann – wobei es da natürlich auch immer auf die Perspektive ankommt 😉 – Positive, Sarkastische, offen Kontra Gebende, leise anti Tuschelnde, absolut nicht Beteiligte – ich könnte noch ewig weiter aufzählen. Stell mir gerade vor, wie der ein oder andere kichert, nickt, genervt die Augen verdreht, weil die letzte Besprechung in Erinnerung gerufen wird. Ja, wie gesagt, mein Eindruck ist: So läuft das eben.
Was lerne ich daraus? Auch Lehrer sind keine homogene Gruppe. Na was für ein Glück, dann ist da sicher auch noch Platz für meine ganz eigenen Spinnereien.
Ach, bei Spinnereien – Hab auf dem Weg zur Konferenz eine lustige Situation erlebt:
Ich stehe nichtsahnend an der U-Bahn, höre schön laut Musik. Ein etwa 13-jähriger Junge und sein Freund holen aus so einer Haltevorrichtung für lauter verschiedene Fahrpläne scheinbar zwei komplette Stapel oder mehr von Fahrplänen. Wofür auch immer. Darauf wird eine ältere Dame aufmerksam und findet das absolut nicht in Ordnung. Ich nehme leider viel zu spät die Kopfhörer ab und höre nur noch “was wollt ihr denn mit den ganzen Dingern?” Sie greift in den noch offenen Rucksack des weggehenden Jungen und sagt zu der anderen älteren Dame neben ihr, während sie eine ganze handvoll von den Teilen aus dem Rucksack zieht und über den Bahnsteig verteilt: “Hier, alles geklaut! Das gibt’s doch nicht! Eine Unverschämtheit!” Ich muss lachen. Also klar, ist bescheuert von den Jungs, Papierverschwendung, wenn das alles wieder und wieder gedruckt wird und irgendwo im Müll landet. Aber diese Oma-Polizei ist einfach zu gut! Dann helfe ich der Frau, die schimpft wie ein Rohrspatz – “man müsste hier mal über Mittag jemanden hinstellen! Los! Geht weg jetzt oder ich hole hier jemanden, dann bekommt ihr mal ordentlich eins auf die Mütze! (sie haben sich kurzzeitig nochmal in den 5m Radius der Frau gewagt, danach nicht mehr)” – die Zettel einzusammeln und sortiere sie auch wieder richtig ein. Frag mich ehrlich gesagt auch, was die mit lauter kleinen bedruckten Faltfahrplänen der Linien 50 und 52 wollen. Vielleicht Schaffner oder Bahn-Informationsbeauftragter spielen? Dafür sind sie mir zu alt. Und wer fragt schon nur nach diesen zwei Buslinien. Also wer eine Idee hat: gerne her damit!

Abends fahre ich wieder zum Ultimatetraining. Bestes Wetter erwartet uns. Regen im Flutlicht sieht auch einfach echt schön aus. Die Übungen sind super, Stimmung trotz des Wetters auch. Beim Spielen verlieren wir häufig die Scheiben und ich die Nerven. Bin wahrscheinlich auch nervös wegen der Stunde, aber prinzipiell ist das eine meiner Schwachstellen. Wenn etwas nicht richtig läuft, fällt es mir schwer motiviert aber noch schwerer positiv zu bleiben. Aber das ist etwas, woran ich arbeiten kann. Was für eine Hilfe so ein Sport sein kann: Man hat die Chance Dinge auf dem Feld zu lernen, die einem definitiv auch neben dem Feld im Alltag wahnsinnig weiterhelfen. Danke dafür Ultimate! Und eine Bitte um Entschuldigung an alle, die bis jetzt schon darunter leiden mussten. 🙂

Auf dem Heimweg mach ich mich dann schon mal so richtig schön verrückt für meine morgige Stunde. Also nichts wie ins Bett, dann ist schnell Donnerstag und ich hab es hinter mir.
Gute Nacht und bis morgen!

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