zweiundzwanzigster Tag

und die Tage dazwischen….

»And you understand
This never ending dance
This fight, a fading sense
Now it all makes sense
It brought you here
It only brought you

Only brought you home

Take off your shoes now
You’ve come a long way
You’ve walked all these miles
And now you’re in the right place«

Boy ~ July

Die erste Woche zurück in Berlin ist rum. Stuttgart scheint schon wieder ganz weit weg. Es blieb kaum Zeit alles zu verarbeiten, so schnell hatte mich der Alltag zurück mit all seinen Herausforderungen, Entscheidungen, großen und kleinen Baustellen. Ja, im Rückblick erscheinen mir die Tage in Stuttgart als kleine Auszeit: Es war alles so einfach – Aufstehen, Praktikum, Essen, Werfen/Training, Feierabend, Schlafen – fast wie Winterurlaub!
Aus der letzten Woche gibt es nicht so viel Berichtenswertes. Habe neben Schwimmen und Ultimate alle anderen Trainingseinheiten aufgrund von einer sich mal wieder verstärkenden Erkältung geschwänzt. Jetzt geht es mir aber wieder besser und ich nehme mir vor diese Woche mehr zu machen.
Am vergangenen Wochenende waren wir mit den Hunden beim KMSSMK in Chemnitz, ausgerichtet von den Stoneheads. Mit einem stimmigen Team und ziemlich entspannter Einstellung starteten wir um 14:00 Uhr gegen Griffin’s Lehre. Ich weiß kann mich leider nicht mehr genau an das Spiel erinnern – ein Klassiker: nach einem Spieltag verschmelzen die Spiele zu einem und es ist ziemlich schwierig einzelne Situationen den richtigen wieder zuzuordnen. Wie auch immer, wir kamen gut ins Spiel und gewannen sowohl dieses als auch die folgenden 4 Poolspiele gegen Jena II, die Softheads, die Hallörchen und ein viertes Team, was mir gerade peinlicherweise nicht mehr einfällt. Ich werde das ergänzen, sobald jemand meinem löchrigen Gedächtnis auf die Sprünge hilft. Am Sonntagmorgen sollte das 5te Spiel gegen unseren Angstgegner Discurs stattfinden. Schon morgens in der Schlafhalle versuchten wir uns mehr oder eher weniger ernsthaft gegenseitig einzuschüchtern. Mit ein paar dummen Sprüchen in den Tag starten – was gibt es Schöneres? Irgendwie waren wir wohl an dem Morgen tatsächlich fitter und konnten souverän die Vorrunde als Poolerster abschließen. Es folgte ein Zwischenpool mit Spielen gegen Jena I und Dresden Discount. Beides auch ziemlich starke Teams. Gegen Dresden Discount haben wir ziemlich gezittert und glücklich mit einem Punkt gewonnen. Das Spiel gegen Jena I gewannen wir nur, weil viele Pässe in die Endzone von den Jenaern nicht gefangen wurden, aufgrund ihrer Größe waren die Männer wirklich schwierig zu verteidigen. Aber wer wird sich beschweren? Es folgte eine Art Überkreuzspielhalbfinale gegen die Stoneheads. In dem Spiel hab ich mir den Boden mal ein bisschen näher angeschaut, die Scheibe leider aber doch noch um ein paar Zentimeter verpasst. Dennoch konnte ich Zeuge davon werden, wie es aus einem Stonehead herausplatzte: “Boah, was habt ihr denn für Frauen?!” Auch dieses Spiel konnten wir für uns gewinnen. In der Nebenhalle gewann Jena I gegen Discurs und so mussten wir im Finale nochmal gegen die Großen ran. Leider waren wir wohl von den Spielen vorher ermüdet und auch etwas nervös – ich weiß nicht wie viele von uns jemals schon in einem Finale gestanden haben, ich jedenfalls noch nie. Im Rematch gegen Jena I mussten wir uns leider geschlagen geben. Naja. Wir haben die meisten Spiele gewonnen an dem Wochenende. Auch eine Art Sieg 🙂
Es war wieder ein schönes Wochenende mit lauter netten Menschen und viel Spaß.
Jetzt ist aber erstmal wieder Berlin dran.
Heute hab ich mich trotz schwer zu findender Motivation zum Schwimmen durchgerungen und auch bei kleineren Schwierigkeiten nicht aufgegeben. Es ist ein gutes Gefühl nach dem Training nach Hause zu kommen und zufrieden feststellen zu können, dass man seinen inneren Schweinehund wieder überwunden hat.

Also: Schweinehunde aufgepasst! 🙂
Alles Gute euch und bis bald!

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fünfzehnter Tag

»It’s like in the movies when the rain comes down
And you take off your clothes and you scream at the clouds
Can you remember the moment of birth
When you slipped down onto the earth.
You’re a man, you’re a woman, you’re not some machine,
Why do you always stare at the screen?
Why do you always bow your head down?
I know you used to be proud.
When you were freeborn, you’re freeborn

Don’t let them kill the wild animals inside of you.«

The Cat Empire ~ Wild Animals

Guten Morgen, Berlin. Kaum zurück, schon wieder voll eingespannt.
Die Busfahrt von Stuttgart nach Berlin war mit 8 Stunden wirklich lang. Gerade auch nach der kurzen Nacht. Mein Sitznachbar tat mir schon ziemlich Leid, immerhin bin ich quasi von der Party in den Bus. Er hat es ausge- und wir uns sogar sehr nett unterhalten. Desweiteren war die Busfahrerin absolut witzig. Staubtrocken und sich ihrer lustigen Wirkung auf die Fahrgäste nicht bewusst, erzählte sie in betonungsfreier Märchentanten Manier, dass die Herren bitte wie “Schneewittchen austreten” sollen, dass die nächste Dame es ihnen danken würde und sie (die Busfahrerin) im Übrigen sehen würde, wenn sie (die Männer) es nicht täten – sie (die Männer) würden nämlich nicht annähernd so gut zielen können, wie sie (die Busfahrerin) fahren könnte. Außerdem erklärte sie uns ausführlich die Funktionen unserer Sitze “zum Relaxen”, die man beispielsweise durch Drücken eines Hebels und mit einem “flotten Hüftschwung” einige Zentimeter von einander entfernen könnte. Bei Benutzung der Lehnenkippfunktion sei allerdings immer Rücksprache mit dem jeweiligen Hintermann zu halten. Ihre Anfangsansprache zog sich etwa über die ersten 15 Minuten dahin und ich freute ich nach ihrer Ankündigung, dass sie sich  zum Umstieg in Nürnberg, zur Pause und zur Ankunft in Berlin jeweils noch ein Mal melden würde. Irgendwann kam ich auch auf die Idee die Ansage aufzunehmen und hätte sie gern mit euch geteilt, nachdem bei dem Versuch den ganzen Spaß hochzuladen gestern mein erster Eintrag für diesen Tag jedoch gelöscht wurde, hab ich zuerst die Lust verloren und, als ich sie dann doch noch wiedergefunden habe, festgestellt, dass ich ein Update bräuchte um Audiodateien hochladen zu können. Pfff. Ich fordere lieber eure Fantasie: stellts euch halt vor. Wird vielleicht nicht ganz so gut wie das Original, das kann ich zur Not aber auch mitbringen und vorführen, wenn wir uns mal über den Weg laufen.

Montag dann also gleich früh zur Arbeit – 14:30. Auf dem Weg stelle ich fest, dass ich mein Studi-Ticket vergessen habe, ärgere mich und hoffe, dass ich keiner Kontrolle in die Arme laufe. Eine Station vor meiner Zielhaltestelle seh ich dann drei Gestalten auf dem Bahnsteig herumlungern. Betont lässig laufe ich in der U-Bahn der (gottseidank) neueren Generation (alle Waggons sind miteinander verbunden) einen, zwei Wagen weiter und hoffe, dass ihnen das nicht aufgefallen ist. Die zwei Männer und eine Frau steigen ein und fangen prompt an zu kontrollieren. Ha! Ich wusste es! Mein Puls geht hoch. Ich hoffe, sie mögen einfach nicht so schnell sein beim Kontrollieren. Flehe innerlich die U-Bahn an schneller zu fahren. Und schaffe es einfach mal. Unverschämtes Glück, was ich da hab. Na gut, ein Mal hab ich es jetzt drauf angelegt. Nach Hause laufe ich aber. Die Idee mir ein Ticket zu kaufen verwerfe ich aus mangelnder Motivation “der BVG noch mehr Geld in den Rachen zu werfen”.
Nach der Arbeit mache ich also einen ausgedehnten 1,5-stündigen Spaziergang nach Hause und genieße mir dafür auch in Berlin mal die Zeit zu nehmen.
Beim anschließenden Schwimmtraining merke ich leider relativ bald, dass ich zu wenig gegessen habe und muss frühzeitig nach 45 Minuten abbrechen, weil ich schon nach 5 Sekunden Pause zwischen den einzelnen Einheiten anfange zu frieren. Na gut, zwei Wochen Trainingspause tragen sicherlich auch das ihre dazu bei. Dranbleiben ist die Devise.
Zuhause überdenke ich mein Zeitmanagement, die Trainingseinheiten und deren Sinnhaftigkeit und stelle fest, dass ich dringend Redundanzen und Überbelastungen zurückschrauben muss.
Plan für die Woche: Plan machen!

Also, auf! – auch ihr da auf der anderen Seite des Bildschirms!
Bis die Tage!

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dreizehnter+vierzehnter Tag

»I can almost hear you thinking
How could these days go by so fast

We let the tapes mix up the years
And press repeat and press repeat

The trunk is filled with records
And books and tears and clothes
I’m smiling on the surface
I’m scared as hell below

And when we arrive
The hardest of goodbyes
You will dry my eyes
Somehow you’re always by my side
The one who holds my kite
And watches over all my flights

Good morning freedom
Good night lullabies
Drive darling, drive darling,
Drive darling, drive darling, drive«

Boy ~ Drive Darling

Heute mal ein etwas längerer Liedtext am Anfang. Ich habe in dieser sehr kurzen Zeit so viel gelernt. Vielen Dank Stuttgart, dass du mir diese Chance gegeben hast. Vielen Dank liebe Menschen, die ich kennenlernen und mit denen ich Zeit verbringen durfte! Der Abschied fällt mir schwerer als gedacht und ich würde mich freuen eines nicht ganz so fernen Tages wiederzukommen.

Jetzt heißt es aber erstmal:

»und wer zieht heut wie einst die Menschen wieder an
wie heißt die Stadt auf die man nicht verzichten kann?
Treibt mich das Schicksal auch manchmal hin und her
wie heißt der Ort wo ich stets am liebsten wär
auch jedem Fremden der hier war
dem ist die Antwort sonnenklar:«

Hildegard Knef ~ Das ist Berlin

Und auch das ist in Ordnung.
Berlin, ich freu mich auf dich!

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zwölfter Tag

»I’m on the pursuit of happiness and
I know everything that shines ain’t always gonna be gold
Hey, I’ll be fine, once I get it,
I’ll be good.«

Lissie ~ Pursuit of Happiness

Was, schon Freitag? Ein letztes Mal klingelt also der Wecker in Stuttgart. Vorerst.
Ein bisschen wehmütig mache ich mich auf den Weg in die Schule.
In der ersten Stunde kann ich mir anschauen, wie ein Referendar das gleiche Thema wie ich gestern in einer Parallelklasse einführt. Ich finde es spannend zu beobachten, wie er sich vor der Klasse verhält, die Reaktionen der Schüler zu beobachten. Zu sehen, was er methodisch in seinem Studium gelernt hat und deswegen anders macht als ich. Welche Rahmenbedingungen er beachtet, über die ich mir gar keine Gedanken gemacht habe. Sich vorzustellen zum Beispiel. 😉
Ich bin der betreffenden Lehrerin sehr dankbar, dass sie mich dazu ermuntert hat, das mit dem Unterrichten einmal auszuprobieren. Natürlich war ich nervös vor der Klasse, aber ich habe auch gemerkt, dass ich das aushalten konnte und dass es mir sogar Spaß gemacht hat.
Anschließend sitze ich in einer extrem ferienreifen 8ten Klasse. Auch das gehört dazu und manchmal kann man es nur aussitzen.
In der 5. und 6. Stunde dann noch eine letzte Doppelstunde Sport, ich darf das Aufwärmen übernehmen, wir Turnen am Reck. Hilfestellung und Tipps funktionieren, die Schüler kommen mit Fragen. Es läuft.
Und dann ist es auch schon vorbei. 2 Wochen Praktikum sind um. Ich hab viele tolle Erfahrungen gesammelt und meine erste eigene Unterrichtsstunde gehalten, yeah!
Zum Abschied bekomme ich wertvolle Tipps, wie z.B. in den Semesterferien ab und zu freiwillige Praktika in der Schule zu machen, immer wieder zu unterrichten. Dann fällt der Einstieg im Ref nicht mehr so schwer. Viele nette Worte und den Hinweis an der Schule jederzeit willkommen zu sein bekomme ich auch noch mit auf den Weg. Und dann fahre ich schon das letzte Mal von der Schule nach Hause.
Abends gehe ich zum Hallentraining und mit einigen anderen Spielern anschließend noch Kochen und Werwolf spielen.
Dann will ich sehen, was Stuttgarts Nachtleben so kann. Bass kann es. Und tanzen. Und geraucht wird auch ohne Ende. Weshalb ich dann doch relativ früh nach Hause will. Das macht echt keinen Spaß. Alles andere hätte gestimmt. Da lobe ich mir unsere Frisbeeparties, da darf man meistens nicht rauchen und muss raus. Gut so 😛
Fazit:
Es war eine sehr schöne Zeit, die ich hier in Stuttgart hatte. Sowohl in der Schule als auch in der Freizeit, in der ich durchs Ultimate tolle Leute kennenlernen durfte und auch in der “Fremde” auf den Sport nicht verzichten musste. Die Stadt hat mir echt gut gefallen – manchmal musste ich wegen der Sprache ein bisschen schmunzeln, aber das ist ja nichts Schlechtes. Der Berufswunsch Lehrer ist für mich in der Zeit hier greif- und vorstellbarer geworden. Also ist der Plan jetzt klar:
Sporteignungstests in diesem Jahr und dann Bewerbungen zum Wintersemester. Hoffentlich klappt das. Und bis dahin und dann darüber hinaus so oft wie möglich in Kontakt mit Schule und Lehren bleiben.

Danke, dass ihr diesen Blog mitverfolgt hat, es hat gut getan zu sehen, dass in der Heimat Anteil genommen wird und ich nicht ganz allein bin.
Ich werde weiterhin schreiben – mehr oder weniger im Zusammenhang mit dem Ziel Lehrer – ziemlich sicher aber nicht mehr so oft.
Also, alles Gute euch und wir sehen uns in Berlin!

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