elfter Tag

»I’m gonna let my freak flag fly
I’ve been a fool a lifetime
but today I’ll be the king.
I’m gonna let my freak flag fly
waving high up in the air
for everyone to see.«

Caesar’s Palace ~ Freak Flag

Uuuh, Donnerstag. Ich wache vor dem Wecker auf. Bin hibbelig. Mir ist schlecht. Pah! Warum das denn. Hey, das sind Kinder. Und ich darf ihnen was beibringen. Die sind doch eher dankbar als böse. Haha. Also auf geht’s.

Beim Uberqueren der Straße schau ich schön nach links, höre Dank der Musik nicht viel, schaue auf der Hälfte der Straße nach rechts und sehe mich spontan mit einem Bus konfrontiert. Hoppla. Ist er auch so erschrocken? Ne, der kennt das schon, er wartet geduldig. Ich steh ja auf einem Zebrastreifen. Trotzdem. Glück gehabt. Mist. So schlimm ist das mit der Stunde ja auch nicht, dass ich mich gleich vom Bus überrollen lassen muss um sie nicht halten zu müssen.

Ich steh vor der Klasse: “Guten Morgen!” Klasse: “Guten Morgen Frau …” Ich grinse, sage meinen Namen “Frau D…!” Okay, vielleicht leg ich mir noch einen einfacheren Nachnamen zu bis ich Lehrerin werde. Merke kurz, dass alles weg ist, was ich mir überlegt habe, Bilder von vergangenen Vorträgen schießen mir durch den Kopf. Erinnerungen daran, dass ich ab einem bestimmten Punkt immer anfange mir selbst zuzuhören und ganz gespannt darauf zu warten, was ich wohl als nächstes von mir gebe. Schluss. Tageslichtprojektor an.
“Ich darf euch heute ein neues Thema beibringen. Gleichungen. Dazu schauen wir uns einmal folgendes Beispiel an…”
Die Schüler sind still, aufmerksam, arbeiten mit. Es weiß immer jemand die Antwort auf meine Fragen. Nach dem ersten Beispiel haben sie Zeit es abzuschreiben und ich mich in Ruhe in meiner Rolle als Lehrende anzuschauen. Durchatmen. Ja, passt. Viel entspannter gehe ich das nächste Beispiel an. Es läuft. Bei den Übungsaufgaben gibt es vereinzelt Fragen, aber ich kann helfen und die Lehrerin lässt mich machen. Vor der Stunde wurde mir gesagt, dass ich die 5-Minuten-Pause zur Not auch noch ein bisschen verschieben kann, wenn wir nicht fertig geworden sind. Tja, da steh ich 10 Minuten vor Stundenende. Die Schüler sind einfach zu gut gewesen für meine Planung. Wir vergleichen also die gerechneten Aufgaben, klären Schwierigkeiten. Immernoch 5 Minuten. Ich schaue flehend zur Lehrerin und sie gibt mir das Okay die Pause vorzuziehen. Alles klar, ich hab nicht dieses “Ref-Problem” die Stunde zu voll zu packen. Für meine nächste wird es “Falls-noch-Zeit-ist-Aufgaben” – FnZiA klingt gut – geben.
Am Ende der zweiten Stunde fragt mich die Lehrerin, ob ich Feedback von der Klasse haben möchte. Mit dem Hinweis “man muss sich das schon trauen, Kinder sind ehrlich.” Ich denke mir, dass ich sie nach Freitag eh nicht wieder sehe, sollte ich in 5 Jahren wieder an dieser Schule enden, haben sie hoffentlich ihr Abitur. Also, was solls. Es kann mir ja auch nur helfen.
“Ich fand gut, dass Sie frei gesprochen haben.” “Ich fand gut, dass sie geholfen und gut erklärt haben, wenn jemand eine Frage hatte.” “Ich fand das Beispiel, was Sie genommen haben, sehr gut und verständlich.” “Ich fand gut, dass Sie eine Aufgabe genommen haben, die wir zusammen gerechnet haben, aber auch Aufgaben, die wir allein rechnen durften.” “Sie waren gleich da, wenn jemand Hilfe brauchte, das fand ich gut.” “Ich fand, dass das mit dem Tageslichtprojektor ein bisschen schwierig zu lesen war, weil das Bild so klein war.” “Ich fand gut, dass man Ihre Schrift gut lesen konnte, es gibt so Lehrer..” kichert.
Dass die Klasse Feedbackgeben geübt hat ist nicht zu überhören. Sie wissen genau, was sie wie formulieren sollen, Ich-Perspektive und überhaupt.
Danke! Und habt ihr noch etwas, was ich verbessern kann? Keiner meldet sich. Okay, warum genau hab ich mir Stress gemacht? Ach klar, damit es so gut werden kann.
Ich hab selber ein paar Punkte gemerkt, an denen es gehakt hat, im Feedback der Lehrerin besprechen wir das später auch, aber im Großen und Ganzen habe ich mich eigentlich ganz wohl gefühlt. Das galt es herauszufinden. Ja okay, ehrlich gesagt hab ich ziemlich geschwitzt (hatte noch eine “Strickjacke” drüber, hat also keiner gesehen) aber das legt sich mit der Berufserfahrung sicherlich. Bis dahin wasch ich dann halt ein bisschen öfter.
Glücklich schwebe ich in den anschließenden Sportunterricht, wo ich schon das zweite Mal bei einer Prüfung dabei bin und mit dem Lehrer beraten darf. Ist gar nicht so einfach objektive Bewertungskriterien und persönlichen Einsatz unter einen Hut zu bekommen. Vor allem wenn man sich überlegt, was eine schlechte Note mit der Motivation eines Schülers macht, der z.B. nicht gut und nicht motiviert war. Demotiviert das nicht noch mehr? Aber eine bessere Note zu geben, als bei der Leistung angemessen, ist den anderen Schülern gegenüber unfair. Bin froh, dass ich letztendlich nicht über die Note entscheide.
Hier übrigens noch das Foto über Stuttgarts Dächern als Nachtrag:

über Stuttgarts Dächern

So, jetzt gibt’s Apfelstrudel, ich muss los!
Tschühüüüss!

Achso, achso, weil ich’s immer wieder vergesse: Viele Grüße auch an meine Leser aus Venezuela und Rumänien (Häääää?!?! 😀 )

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zehnter Tag

»It’s early in the morning
I’m laughing at the sun.
My mirror disappoints me
Am I the only one?«

Awolnation ~ All I Need

Boah, ernsthaft? 6:00? Ich lache die Sonne aus, bin nämlich vor ihr wach. Was ich im Spiegel sehe, deckt sich mit meinem Gefühl dringend wieder ins Bett zu wollen. Was solls, Jammern hat noch nie geholfen. Anziehen und raus ins Dunkel. Glücklicherweise kenn ich den Weg mittlerweile im Schlaf, also trotte ich mit halbgeschlossenen Augen zur Bahn. Dank der neuen Kopfhörer auch mal wieder mit Musik. In der Bahn werde ich dann das erste Mal endlich kontrolliert, hat sich die Wochenkarte dann doch gelohnt! Damit hab ich ja schon fast nicht mehr gerechnet.

In der Schule läuft schon alles halbautomatisch ab, die Lehrer nicken mir zu, ich hab meinen Platz, weiß, wo ich als nächstes hingehen will. Läuft. Bin jetzt nur kurz über Mittag nach Haus gegangen und wollte mich eigentlich hinlegen, stattdessen hab
ich lieber Musik gehört und am Blog gesessen, ein Fluch und ein Segen 😉

So, jetzt gehts auf zur Konferenz. Uuuuh! Später dann mehr.

Später: Eine Lehrerkonferenz ist eine Sache für sich. Wahrscheinlich kann das jeder bestätigen, der einer solchen schon mal beigewohnt hat. Aber ganz so eigen ist das vielleicht nicht. Im Grunde, kann sich vielleicht jeder, der schon einmal mit mehreren Menschen über längeren Zeitraum an einer Sache herumorganisiert hat – Kinder- und Jugendfreizeiten, Musikfestivals, ganz allgemein Vereinssitzungen oder andere Versammlungen – eine Vorstellung machen. Ich bekomme den Eindruck: Menschen sind so. Sie sind natürlich alle individuell und besonders und ganz eigen, aber am Ende läuft es in Versammlungen immer gleich. Man hat immer wieder extrem ähnliche Rollen: Engagierte, Genervte, Menschen, die alles missverstehen, was man nur missverstehen kann – wobei es da natürlich auch immer auf die Perspektive ankommt 😉 – Positive, Sarkastische, offen Kontra Gebende, leise anti Tuschelnde, absolut nicht Beteiligte – ich könnte noch ewig weiter aufzählen. Stell mir gerade vor, wie der ein oder andere kichert, nickt, genervt die Augen verdreht, weil die letzte Besprechung in Erinnerung gerufen wird. Ja, wie gesagt, mein Eindruck ist: So läuft das eben.
Was lerne ich daraus? Auch Lehrer sind keine homogene Gruppe. Na was für ein Glück, dann ist da sicher auch noch Platz für meine ganz eigenen Spinnereien.
Ach, bei Spinnereien – Hab auf dem Weg zur Konferenz eine lustige Situation erlebt:
Ich stehe nichtsahnend an der U-Bahn, höre schön laut Musik. Ein etwa 13-jähriger Junge und sein Freund holen aus so einer Haltevorrichtung für lauter verschiedene Fahrpläne scheinbar zwei komplette Stapel oder mehr von Fahrplänen. Wofür auch immer. Darauf wird eine ältere Dame aufmerksam und findet das absolut nicht in Ordnung. Ich nehme leider viel zu spät die Kopfhörer ab und höre nur noch “was wollt ihr denn mit den ganzen Dingern?” Sie greift in den noch offenen Rucksack des weggehenden Jungen und sagt zu der anderen älteren Dame neben ihr, während sie eine ganze handvoll von den Teilen aus dem Rucksack zieht und über den Bahnsteig verteilt: “Hier, alles geklaut! Das gibt’s doch nicht! Eine Unverschämtheit!” Ich muss lachen. Also klar, ist bescheuert von den Jungs, Papierverschwendung, wenn das alles wieder und wieder gedruckt wird und irgendwo im Müll landet. Aber diese Oma-Polizei ist einfach zu gut! Dann helfe ich der Frau, die schimpft wie ein Rohrspatz – “man müsste hier mal über Mittag jemanden hinstellen! Los! Geht weg jetzt oder ich hole hier jemanden, dann bekommt ihr mal ordentlich eins auf die Mütze! (sie haben sich kurzzeitig nochmal in den 5m Radius der Frau gewagt, danach nicht mehr)” – die Zettel einzusammeln und sortiere sie auch wieder richtig ein. Frag mich ehrlich gesagt auch, was die mit lauter kleinen bedruckten Faltfahrplänen der Linien 50 und 52 wollen. Vielleicht Schaffner oder Bahn-Informationsbeauftragter spielen? Dafür sind sie mir zu alt. Und wer fragt schon nur nach diesen zwei Buslinien. Also wer eine Idee hat: gerne her damit!

Abends fahre ich wieder zum Ultimatetraining. Bestes Wetter erwartet uns. Regen im Flutlicht sieht auch einfach echt schön aus. Die Übungen sind super, Stimmung trotz des Wetters auch. Beim Spielen verlieren wir häufig die Scheiben und ich die Nerven. Bin wahrscheinlich auch nervös wegen der Stunde, aber prinzipiell ist das eine meiner Schwachstellen. Wenn etwas nicht richtig läuft, fällt es mir schwer motiviert aber noch schwerer positiv zu bleiben. Aber das ist etwas, woran ich arbeiten kann. Was für eine Hilfe so ein Sport sein kann: Man hat die Chance Dinge auf dem Feld zu lernen, die einem definitiv auch neben dem Feld im Alltag wahnsinnig weiterhelfen. Danke dafür Ultimate! Und eine Bitte um Entschuldigung an alle, die bis jetzt schon darunter leiden mussten. 🙂

Auf dem Heimweg mach ich mich dann schon mal so richtig schön verrückt für meine morgige Stunde. Also nichts wie ins Bett, dann ist schnell Donnerstag und ich hab es hinter mir.
Gute Nacht und bis morgen!

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neunter Tag

»You should see my favorite people,
You catch a glimpse of gold through their skins.
I walk on air whenever I’m with them,
They’re where the happiness begins.
And I’m alright on my own, but with them I’m much better
They’re like diamonds and diamonds are forever.«

Boy ~ Army

Dienstag, heute übertreibe ich’s einfach mal ein bisschen und fange erst zu 4ten Stunde an. Nach dem etwas längeren Abend gestern kann ich aber die Zeit nicht wirklich nutzen, wache viel zu früh auf und sitze doch schon zur großen Pause in der Schule. Na was solls, hab mich halt an die 3te gewöhnt.
Dann nutze ich die Zeit eben um meine Stundenvorbereitung nochmal zu überdenken, daran herumzufeilen, mich ein bisschen verrückt zu machen – und mit Lehrern zu sprechen. Das ist spannend. Lauter verschiedene Perspektiven, Meinungen, Herangehensweisen. Manche kann ich schnell nachvollziehen, bei anderen muss ich mir wohl noch ein bisschen Zeit geben. Das kennt man ja auch aus anderen Situationen, warum sollte das hier anders sein. Auch die Berufsgruppe Lehrer ist eine mit vielen verschiedenen Charakteren.
An Mathe in der 7ten gewöhne ich mich langsam, ist vielleicht für Donnerstag auch von Vorteil. In der Stillarbeitsphase geh ich mit rum und beantworte mal mehr mal weniger erfolgreich Fragen. Hey, die Trefferquote wird bestimmt besser mit der Zeit. Außerdem merke ich, dass viel mehr Stoff bekannt ist, als ich vorausgesetzt habe, juhuu, ich kann nochmal umplanen. Es heißt ja schließlich “wer rastet, der rostet.”
Die Kinder haben “Wege des Glücks” im Klassenzimmer ausgehängt, sie sind gesäumt von iPhone-, iPad-, Auto- und Villawünschen, der ertragreiche Job, die Hochzeit mit “einer geilen Frau” finden auch Erwähnung. Ich kann mich nicht entscheiden zwischen leisem Kichern, Augenbrauenhochziehen und mich ungläubig im Klassenzimmer umgucken. Die ein oder andere härtere Nummer ist auf den Plakaten auch zu finden, aber das ist kein Thema für diesen Blog. Ja, wie Tischwürfe sind das alles Teile des Lehreralltags. Es scheint mir ganz gut, auch das wieder in Erinnerung gerufen zu bekommen.

Anschließend Mathe in der 10. Als die Lehrerin die Klasse verlässt um etwas aus dem Lehrerzimmer zu holen, arbeiten alle still und konzentriert weiter an den Aufgaben, die sie bekommen haben. Ich frage mich, ob ich im falschen Film bin. Überhaupt, die 45 Minuten vergehen wahnsinnig schnell, irgendwie kam mir das früher viel länger vor.
Ich hetze jedenfalls gleich in die Turnhalle – 5 Minuten zwischen zwei Stunden sind wirklich nicht viel Zeit – um noch eine Stunde Sport in der 5ten zu besuchen. Es ist das unfassbare passiert, ich hab meine Turnschuhe vergessen. Wie sagte mein Papa früher so schön “wenn du deine Schultasche schon abends packst, passiert dir das nicht!” Daran muss ich denken, schmunzle kurz und geh dann auf Socken in die Halle. Ätsch! Geht auch so, wir machen nämlich Bodenturnen.

Feierabend! Ich bin eigenartigerweise wieder ziemlich geschafft, hau mich für ne halbe Stunde hin und werd dann in den Park beordert zum Scheibenwerfen. Man, das ist so schön hier! In der Sonne werfen im Park, anschließend Pfannkuchen/Eierkuchen (ich versuche mehrsprachig, wie ihr vielleicht merkt, für Nord und Süd. Wenn ich Namen schreiben würde, könnte man feststellen, dass ich mich langsam adaptiere: “der Max Mustermann hat…, die Erika meinte dazu..” Aber so lang ich noch frage ob alles in Ordnung is und nich isch, isch alles gut, gell?) und Eis und eine wunderbare Sicht auf Stuttgart vom Dach. Warum hab ich das eigentlich nicht fotografiert? Das muss ich nachholen!

Für morgen hab ich mal was ganz Verrücktes geplant, ab zur 1ten Stunde. Mal gucken, wie sich das anfühlt. Nachmittags dann noch Konferenz. Ich hab gedacht, wenn – dann richtig!
Also hau ich mich mal schleunigst aufs Ohr. Gute Nacht und bis morgen!

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siebter+achter Tag

»Do you realize
All the falls and fights
All the sleepless nights
All the smiles and sighs
They brought you here«

Boy ~ July

Der Sonntagmorgen ist mindestens so gut gelaunt wie der Samstag und so mach ich mich sonnig auf den Weg. Heute hab ich mir den Weg vom Hauptbahnhof zum Killesberg vorgenommen.

grünes u

Wie man sehen kann, geht es die ganze Zeit durch schöne Parkanlagen. Sonntagmittag bin ich selbstverständlich nicht allein unterwegs, lauter Familien mit großen und kleinen Kindern, viel Lust zu spazieren und gezwungenermaßen schlendern durch die Parks und versperren Joggern und Radfahrern den Weg. Die Frühlingsblüher sind auch am Start. Ich finds super:

Frühblüher

Mein Weg führt mich vorbei an der Wilhelma, dem Stuttgarter Zoo, wo ich eine seltsame Spezies hinter Gittern beobachten kann. Sie wird sogar mit Beschäftigungstherapie aktiv gehalten:

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Etwas weiter gelingt mir dieser Schnappschuss, der die Spielzeuge vielleicht ganz gut zusammenfasst:

Geld, Autos, Wein

Wer erkennt, was ich meine? 🙂

Etwas weiter stolpere ich über folgendes Gedicht:

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»Aus ihren Ruinen kommen wir
aus ihren Gärten
Wir gehen über sie hinweg
wie man über uns hinweggehen wird
Es bleiben
unsere Namen
flüchtig«

Geschrieben hat es Christoph Lippelt, 1938 geboren, 1984 bis 1999 niedergelassener Hautarzt. Hab ich gerade herausgefunden. Da darf jetzt jeder selbst etwas zu denken. Ich hab mir auch meins gedacht. Hehe.Außerdem kann ich in dem Grünbereich meinem Entdeckungsdrang nachgeben und durch Büsche an Hängen herumklettern und entdecke scheinbar Ruinen der Villa Moser.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kunststation_Villa_Moser#Villa_Moser

Villa Moser

Ein Stück weiter komme ich endlich in den Höhenpark Killesberg, wo ich nach den stundenlangen Strapazen erstmal einkehren muss. Es gibt endlich mal so was richtig Schwäbisches: Kässpätzle und unfassbar guten Kartoffelsalat. (Nicht vergleichbar jedoch mit dem meiner Omi und meines Opis!)
Danach werfen wir noch ein paar Scheiben im Park – ist immer gut – und ich geh früh schlafen für die neue Woche.

Die beginnt heute gleich mal wieder mit der 3. Stunde, yay! Und überhaupt: vier Stunden Sport am Stück. Das kann ja nur gut werden. Wird es auch. 5te Klasse Volleyball und dann 11. selbes Thema. Ich verbringe also einen entspannten Tag in der Schule, komme nach Hause, bereite meinen Unterricht für Donnerstag weiter vor (haha, das wird mir später nie wieder passieren) und dann ist auch schon Zeit für Ultimate. Juhuuu!
Wir spielen um Platz drei (in der Stuttgarter Winterliga) in einem verdammt engen Spiel. Am Ende siegt die Mannschaft mit mehr Glück. Irgendwie. Wobei es ja auch immer an Situationen früher im Spiel liegt. Wenn man den Punkt… oder diese Defense oder ach naja. Hey 4. von 6 ist auch super! Und überhaupt freue ich mich hier so freundlich aufgenommen worden zu sein, mitgespielt haben zu dürfen und sowieso!

Jetzt wirds Zeit zum Schlafen, aber Stuttgarter Kneipen muss ich eben auch mal kennenlernen!

Liebe Grüße und bis die Tage!

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fünfter+sechster Tag

»dear city i live in
i want to be your friend
will you let me be your friend

you’re where it starts
i’m singing “no guts no glory”
on your silver streets
what are you holding for me«

Boy ~ Silver Streets

Freitag: Hab mich mittlerweile an den Start zur dritten Stunde gewöhnt. Das muss sich meiner Ansicht nach auch nicht ändern. Hehe.
Beginne mit Mathe 5te Klasse. Als mich die Lehrerin vorstellen will, rufen die Kinder rein, dass sie mich doch schon kennen und einige haben sich sogar meinen Nachnamen gemerkt. Also werde ich gleich routiniert mitbegrüßt und setze mich wieder auf meinen Beobachterposten hinten in der Klasse. Es wird schriftlich addiert, dividiert, multipliziert und subtrahiert. Textaufgaben. Ich bin beeindruckt, wie selbstständig doch schon vieles läuft.
Bei Fragen, wenden sich die Schüler an ihren Lehrer, ich merke, dass ich noch sehr zurückhaltend bin, was den Schülerkontakt angeht. Gar nicht, weil ich es nicht wollte, sondern aus Angst etwas falsch zu machen. Vielleicht haben sie gelernt auf ganz bestimmte Weise zu rechnen und ich bringe sie mit meiner “Hilfe” völlig durcheinander, vielleicht fühlt sich die Lehrkraft ihrer Kontrolle beraubt? Klar, das sind Dinge, die ich vorher klären sollte. Hab ich bis jetzt aber immer wieder vergessen. Neue Woche neues Glück!Anschließend Sport in der 6ten. Reck. Felgaufschwung. Hey, den üb ich auch gerade. Bin ein bisschen neidisch, wie gut es bei den allermeisten klappt. Ich werde ermuntert aktiver am Unterricht teilzunehmen und das klappt auch ganz gut. Gebe Tipps (haha, weil ichs eben so gut kann) und ernte dankbare Blicke, wenn sie helfen. Tja, vielleicht sollte ich manchmal einen Gedanken weniger denken und einfach machen – oder zwei, drei.
Nach der Schule bin ich vollkommen geplättet und falle in ein kleines Motivationstief. Die fremde Stadt macht mir plötzlich Angst und ich fühle mich auf mich alleingestellt. Was ich gerade noch als große Chance und erstrebenswert emfpand, verunsichert mich auf einmal.
Also einmal tief durchgeatmet und dann der “Angst” gestellt. Auf in die Stadt. Dabei ist dann auch das folgende Bild entstanden:

du bist nicht allein

Und plötzlich fühl ich mich gar nicht mehr ganz so allein. Danke Only 😉
Ich erkunde die Königstraße und ihre Geschäfte. Dabei lande ich dann auch auf dem schönen Schlossplatz. Hier ein verpsrochenes Tourifoto:
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Und plötzlich ist es so spät, dass ich nach Hause rennen muss um noch halbwegs pünktlich zum Unitraining Ultimate zu kommen. Nach dem Training bin ich so müde, dass ich nach dem Abendessen einfach einschlafe, dabei hatte ich doch noch so viel vor. Na gut, vielleicht klappt es am Samstag besser.

Der begrüßt mich auf jeden Fall mit ordentlich Sonne und so entschließe ich mich zu einem mittäglichen Spaziergang. Der führt mich über die
Molt Staffel

Molt Staffel

Staffeln, das sind diese überall versteckten Treppen, die einen irgendwohin führen und die nicht unwesentlich zu Verwirrung führen, angeblich. Sie werden dabei auch von der lustigen Straßenführung unterstützt, die auf dem Prinzip beruht, dass man um auf dem kürzesten Weg von einem Punkt A zu einem Punkt B kommen möchte eine exakte Reihenfolge von Straßen/Staffeln laufen muss, da sie häufig nicht parallel verlaufen und Querverbindungen (gefühlt) alle Jubelkilometer vorkommen. Hat man also einmal einen falschen Abzweig genommen, ist es häufig kürzer umzudrehen und den ursprünglich richtigen Weg zu laufen, da die Alternative durchaus doppelt so lang ausfallen kann.
Naja, ich musste bis jetzt noch nirgends wirklich dringend hin, wenn ich in mir unbekannten Gegenden unterwegs war, darum hab ich mich quasi nie verlaufen, sondern nur die Gegend erkundet.
Ich finde ja, dass das Stuttgart auch ein bisschen charmant macht, quasi eine Stadt für fortgeschrittene Orientierung oder so. Am oberen Ende dieser Emil-Molt-Staffel jedenfalls angelangt, wurde ich mit einer wunderschönen Aussicht belohnt.
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Vorbei geht’s an der FWU
und dem
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zur Sternwarte:
Sternwarte

Davor sitzt eine Skulptur, in der ich mich gerade gerne wiederfinde:
Schauendes Mädchen

Es ist mittlerweile kalt geworden, die Sonne ist verschwunden und ich hab es mit der frühlingshaft wenigen Kleidung ein bisschen übertrieben bzw. unter-, darum muss ich schnell weiter.
Also noch schnell ein Panorama von der Aussichtsplattform auf der Uhlandshöhe:
Uhlandshöhe

Und dann absteigen. Irgendwo in der Nähe, haben meine Mama und mein Bruder vor etwa 14 Jahren gewohnt. Das Haus will ich noch finden und dann wieder ins Warme. Am Fuß der Treppe angelangt stehe ich plötzlich davor.

Haus

Das ist das Haus. Ich hätte es vorher auf keinen Fall beschreiben können, aber jetzt bin ich mir ganz sicher.
Aus einem der Fenster oben habe ich einen Nachmittag sehnsüchtig rausgeschaut, weil mein Bruder und ich mit unserem kleinen neugeborenen Bruder für kurze Zeit allein zuhause waren und er einfach nicht aufhören wollte zu schreien. Außer der Erinnerung daran, ist aber kein bleibender Schaden geblieben, glaub ich 😉
Den Nachmittag verbringe ich faul im Bett. Jetzt wirds aber Zeit mal wieder in die Gänge zu kommen.
Mal sehen, ob es morgen Berichtenswertes gibt.
Euch noch ein schönes Wochenende und bis die Tage!

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vierter Tag

»And with the summer comes the madness
All your faces in the night
We light our fires on the lawn
And build a temple to save us from the dawn«

The Cat Empire ~ Prophets In The Sky

Heute hab ich mir mal so richtig was gegönnt. Der Wecker muss erst um 8:00 Uhr ran. Wer nachgesehen hat, wann der gestrige Eintrag veröffentlicht wurde, weiß, dass das nicht unbedingt viel mehr Schlaf bedeutet. Trotzdem habe ich das Gefühl viel ausgeschlafener zu sein. Draußen begrüßt mich Stuttgart mit Sonne und lauter gut gelaunten Menschen. Hauptbahnhof, U-Bahn, das kennen wir ja nun zur Genüge (Das musste ich nachschlagen, falls es noch jemandem nicht ganz geläufig sein sollte:  http://www.duden.de/rechtschreibung/Genuege)

Erste Stunde Mathe 8te Klasse. Es wirkt erstmal wie immer (haha. Nach drei Tagen von immer sprechen. Aber so fühlt es sich eben an.) Abgesehen davon, dass der Lehrer vergisst mich vorzustellen. Die Kinder werfen mir unsichere Blicke zu, ich lächle souverän zurück. So gut es geht.
Es ist sehr unruhig, ich überlege, woran das liegen könnte. Bei Fragen zur kommenden Klausur und dem Schwierigkeitsgrad der Aufgaben kommt die Aussage “wenn ihr bei einer Aufgabe merkt, dass ihr sie nicht könnt, stellt sie zurück und macht etwas anderes. Mit den Standardaufgaben ist eine 3-4 auf jeden Fall drin. Eine 1 ist eben nicht für jeden machbar.” Ist das eine Vorbereitung auf persönliches Scheitern? Sollen sich die Schüler von vornherein damit abfinden, dass sie für eine 1 eben nicht gemacht sind? Sollen 13-jährige schon routiniert resignieren?
Gleichzeitig fühle ich mich in meine Schulzeit zurückversetzt. Fange an zu träumen. Plötzlich werde ich mir des Umstands bewusst, dass ich, würde man mich nach dem Verlauf der letzten 5 Minuten fragen, nur rumstammeln und rot werden könnte. Das fühlt sich für kurze Zeit wirklich wieder so an, als müsste ich dem Unterricht folgen und schaffe es einfach nicht. Liegt das an der Art der Unterrichtsgestaltung oder bin ich einfach nicht in der Lage mich zu konzentrieren?
Gleiche Klasse, Sportunterricht. Wieder fällt mir auf, wie anders Kinder auf einen wirken, je nachdem ob sie in Alltagskleidung im Klassenzimmer sitzen oder in Sportsachen durch die Turnhalle pesen.
Anschließend gibt es ein Gespräch mit unserer Mentorin. Sie kümmert sich absolut hingebungsvoll und ermuntert uns immer wieder, uns zu melden, sollte irgendetwas sein. Wir sprechen über Lehrerpersönlichkeiten, Eigenschaften, Aufgaben, Qualifikationen. Mir fallen die Begriffe vom Plakat der 10ten ein. Es klingt erstmal ganz schön viel und schwierig. Ist es sicher auch. Aber die Erfahrungen, die ich hier sammeln kann, entmystifizieren den Lehrerberuf auch. Es ist nicht so, dass die Menschen, die Lehrer sind, zaubern können oder im Gegensatz zu mir irgendetwas haben, was ich mir nicht aneignen könnte.
Die erste Woche ist jetzt also beinahe rum und ich fühle mich in meiner Idee zurück an die Schule zu gehen durchaus bestärkt. Ich genieße es allerdings gerade noch ziemlich zeitig Schulschluss und Feierabend zu haben.
Das sonnige Wetter läd dazu ein im Schlossgarten an meinen Würfen fürs Ultimate zu arbeiten, was einfach dringend nötig ist. Glücklicherweise gibt es hier nette Menschen, die auch noch direkt um die Ecke wohnen und beinahe zu jeder Tages- und Nachtzeit (wobei die wegen des fehlenden Lichts eher unsinnig ist) bereit sind, meinen vollkommen verworfenen Scheiben hinterherzurennen. Ich kann jedenfalls der “Generation Praktikum” zumindest in diesem begrenzten Zeitraum jede Menge abgewinnen.
Bis jetzt bin ich leider noch nicht wirklich dazu gekommen mir Stuttgart so richtig anzugucken. Ich verlauf mich zwar schon immer absichtlich, aber der Radius ist bis jetzt noch relativ klein. Hoffe da noch ein bisschen auf die Wochenenden. Fotos hab ich bis jetzt irgendwie auch nur nachts gemacht, wehalb mir das Hochladen ziemlich sinnlos erscheint. Man erkennt ja doch nichts.
Okay, Plan für morgen: nach der Schule ist die Touristentour fällig!

»And I’ll follow you to any doorstep, any hallway
With hope of finding more
Not feel shallow not get bored«

Anna Ternheim ~ I’ll follow you tonight

Gute Nacht und bis morgen!

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dritter Tag

»Wer hat den Menschen gemalt, der so vier Arme und Beinde hat, da Vinci oder Galilei?«
»Da Vinci, du Honk, Galilei kann doch nicht mal malen. Der hat rausgefunden, dass die Erde eine Kugel ist«
»Nein, das war der andere.«
»Meinst du Kopernikus?«
»Ach ich hab doch keine Ahnung von Geschichte.«
»Na dann sei doch still, du Honk!«

Nachdem ich gestern also fast im Matheunterricht eingeschlafen wäre, fange ich heute erst zur zweiten Stunde an. 8:30 Schulbeginn, das ist schon etwas humaner. Eine Stunde Mathe in einer anderen 7ten. Gleiches Thema, gleiche Lehrkraft, vollkommen andere Situation. Das ist es, worum es geht.
Es ist die 7te in der ich eine Stunde unterrichten könnte. Also gucke ich sie mir doppelt genau an. Haben gar nicht so lange oder scharfe Zähne, Krallen kann ich auch nicht erkennen. Vielleicht tun die mir gar nicht so viel. Ich kanns ja mal versuchen. Hab mich also letztendlich durchgerungen und das Angebot angenommen
Nächste Woche Donnerstag darf ich das Thema Gleichungen einführen.Wenn die lieben in der Oberstufe also irgendwann Probleme mit Gleichungen haben sollten, können die das alles auf die doofe Praktikantin schieben, die ihnen das nicht ordentlich erklärt hat. Oder so.
Anschließend eine 5te Klasse im Sportunterricht. Volleyball. Es ist sehr unruhig, sehr laut und irgendwie macht nur die Hälfte der Schüler, was sie machen sollen. Selbstverständlich eignen sich Volleybälle hervorragend um Mitschüler abzuwerfen und überhaupt wollen die kleinen später mal große Fußballer werden, wozu also Hände benutzen?
10te Klasse, Mathematik. “Hallo, mein Name ist Frau XY und ich mache für zwei Wochen ein Praktikum an dieser Schule. Ich möchte nämlich auch Lehrerin werden und heute schaue ich mir mal den Unterricht bei euch an!” “Na herzliches Beileid!” “Genau, also versaut es den zukünftigen Schülern nicht!” Okay, an meiner Schlagfertigkeit kann ich noch arbeiten. Weiß ich. Ich mag Humor ja staubtrocken, aber dazu gehört einfach eine Abgebrühtheit, die (noch?) nicht meine ist. Nach diesem etwas anderen Start, bin ich sehr gespannt, wie wohl diese Stunden werden wird. Doch kaum steigt die Klasse ins Thema ein, herrscht konzentrierte Stille und ich bin echt beeindruckt. Mit ein bisschen Glück und Geschick bekommt man sie als Lehrer doch alle. Außerdem entdecke ich ein spannendes Plakat, darauf steht:

Hallo, Sie da vorne – Lehrer AGB
Ruhe, Fairness, Respekt, Verständnis, Humor, Motivation, Unterstützung, Gleichberechtigung.

Ja, ja – was Lehrer von den Schülern fordern wollen, müssen sie selbst auch zu geben bereit sein. Ein weiteres gutes Thema zum Nachdenken.
Nach der Schule erkunde ich die etwas weitere Umgebung von Stuttgart. Das ist auch der Grund, warum ich nicht gleich mittags zum Schreiben gekommen bin, was definitiv der bessere Zeitpunkt am Tag ist, wie man diesem ziemlich knappen und wirren Bericht entnehmen kann. Na gut, morgen wirds wieder anders. Der Ausflug endet mit dem Outdoor Training in Ditzingen unter Flutlicht und Regen. Es ist schön, wieder zu laufen, und eine deutliche Umstellung im Vergleich zur Halle. Die Wege sind plötzlich so viel weiter und die Würfe irgendwie viel schwieriger. Wird Zeit, dass der Sommer nach Berlin kommt und wir wieder ordentlich draußen trainieren können!

Mit diesen motivierenden Worten an den Sommer beschließe ich den heutigen Eintrag und finde, ich muss dringend ins Bett.
Liebe Grüße an alle und bis morgen!

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